Löwenmut – Kaenguruh Home in Klipriver – ein Haus voller Kinderlachen!

Am Dienstag besuchten wir dann das erste Mal das Kinderhospiz Löwenmut, was in Klipriver nur als ‚Kaenguruh Home‘ bekannt ist. (Denn so ist es in Afrika als Organisation eingetragen.)
Ehrlich gesagt waren wir aufgeregt und wussten nicht wirklich was uns erwartet.

Als ich letztes Jahr zusammen mit Rosanna das Kinderhospiz Bärenherz besuchte, standen wir in Erbenheim vor einem großen modernen Glasbau, der gerade fertig gestellt war und fast noch ‚neu roch‘. Alles wirkte sehr liebevoll, aber vor allem auch gut strukturiert, organisiert und gut ausgestattet. Wir sahen an diesem Nachmittag nur eine Mutter mit Ihrem schwerkranken Säugling in der Hängematte, ansonsten waren die Kinder mit Familie gerade in Therapie, ihren Familien-Räumen oder zumindest nie dort, wo wir gerade reinschauten. Die gesamte Atmosphäre bei Bärenherz war ruhig, liebevoll aber auch sehr ‚intim‘, so dass wir nicht ‚stören‘ wollten.

Doch wie würde es in Afrika sein? – Wir wussten, dass in dem Home 21 Kinder leben, die alle unterschiedliche körperliche und psychische Behinderungen haben und aus sehr einfachen Familienverhältnissen stammen, so dass deren Eltern sich meistens gar nicht oder nur ungenügend um die Kinder kümmern können. Was das aber in Afrika konkret bedeutet wurde uns erst in den nächsten zwei Tagen bewusst.

Wir klingelten am Zaun und fuhren auf das Gelände des Homes. (Ja wir ‚fuhren‘, denn auch wenn das Home vom Hostel lediglich 10 Min. zu Fuss entfernt ist, ist von Haustür-zu-Haustür zu laufen hier unüblich und so fährt man hier von Zaun-zu-Zaun.) Und vom besagten Zaun aus konnten wir schon den Spielplatz vor dem Haus sehen. Hier waren wir offensichtlich richtig.

Als wir dann an die Holztür des Häuschen klopften und den kleinen Flur betraten, auf dem schon ein paar Spielkisten standen, aber kein Kind zu sehen war, erklärte uns eine der ‚Care Worker‘ (so werden die Betreuer hier genannt), dass im Augenblick Mittagsschlafenszeit und Adele (die Leiterin des Heims) gerade noch zum benachbarten integrativem Kindergarten gefahren sei und wir gerne hier warten oder einfach in 20 Minuten wieder kommen könnten. Wir fuhren also noch schnell einkaufen und kamen dann just in dem Moment wieder, als auch Adele mit dem Kaenguruh-Car auf das Gelände fuhr.

Wir gingen zusammen durch die Holztür und eh wir uns versahen standen wir in mitten der Kinder, die alle wach und ziemlich munter waren. Adele führte uns dann durch die Räumlichkeiten des Homes wir sahen den Essensraum, der aus zwei langen Tischen mit Stühlen in zwei Größen besteht – einmal für die größeren (oder an den Rollstuhl gebundenen) Kinder und einmal für die Kleineren.

Die kleine Gemeinschafts- und Spieleecke, hatten wir bereits beim rein gehen entdeckt, da fast alle Kinder dort bereits eifrig am Spielen, singen oder tanzen waren, oder in ihrem Rollstuhl bei den anderen Kindern standen.
Danach gingen wir durch den offenen Küchenbereich und den Bereich der kleineren bzw. nur liegenden Kinder und da musste ich dann doch das erste Mal schlucken. Denn auch wenn die Sitzkissen und die Farben fröhlich sind und ich das Lachen der Kinder hinter mir hörte, war es für mich schon ernüchternd zu sehen, dass es Kinder gibt die komplett zusammen gerollt auf einem Sitzkissen liegen müssen, weil sie weder Arme noch Beine bewegen können und auch geistig nicht wirklich anwesend sind. Da eine Frühförderung oder überhaupt eine behinderten gerechte Entwicklung eines Kindes fast nicht existiert verkümmern die übrigen Muskeln und so können einige Kinder im Prinzip nur noch in einer Art Wachkoma liegen, ohne das dagegen etwas getan werden kann, außer ihnen wenigstens ein Menschenwürdiges Dach über dem Kopf zu geben.

Ein paar Schritte weiter begann der kleine Flur mit den bunten Zimmern der Kinder. Jedes Zimmer hat seine eigene Farbe und dies bis hin zum Vorhang. Meist schlafen drei Kinder zusammen in einem Zimmer – jeder in seinem eigenen Bettchen und das ist in Afrika ein absolutes Privileg! Adele erzählte uns, dass die meisten Einrichtungen in Afrika für behinderte Kinder meist aus zwei Räumen besteht, einem großen sterilem Schlafsaal und einem weiterem in dem die Kinder lediglich ‚geparkt‘ werden, wenn sie nicht gerade schlafen. Und dass sie auch hier schon Eltern erlebte, die sie fragten, warum sie denn nicht mehrere Kinder in ein Bett legen würden, das würde doch Platz sparen und die Kinder könnten sich ja sowieso nicht mehr richtig bewegen… Oh man! Da blieb uns fast die Spucke weg!

Aber wie wir an Hand weiterer Erzählungen merken mussten, ist das in Afrika, in einem Land in dem die Eltern froh sind, wenn sie sich selbst gerade so über die Runden bringen, nun mal die normale Denkweise: Ein behindertes Kind ist hier lediglich eine Last, in einem meist sowieso schon belastetem Leben.

Adele erklärte uns weiter, dass das Home auch über kleine Betten verfügt, was in Afrika auch Neuland für ein Home sei, denn Babys werden eigentlich in Afrika nirgends freiwillig in Obhut genommen, da sie natürlich viel mehr Pflege benötigen. Und so ist es nicht selten so, dass Mütter ihre Neugeborenen entbinden und es einfach im Krankenhaus zurück lassen, wenn es eine Behinderung aufweist.

Während sie uns rum führte klingelte mehrfach das Telefon und Adele musste hin flitzen und so unterhielten wir uns auch mit Ellie, eine der deutschen Voluntärinen, die für 3 Monate im Kaenguruh Home arbeitet. Genauso wie Fabian und ich hatte sie vorher noch nie mit Kindern mit Behinderungen oder überhaupt mit Kindern zu tun und machte uns Mut, dass die Kinder sich über jeden Besucher freuen und wir uns einfach dazu setzen sollen.

Adele kam wieder und erklärte uns, dass vor Weihnachten das Telefon ständig klingelt, da andere Einrichtungen über die Feiertage schließen oder voll sind und über die Feiertage hoffen, dass ein Kind im Kaenguruh Home betreut werden könnte, da dieses 365 Tage, 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag offen ist. Einige der Kinder gehen über Weihnachten tatsächlich nach Hause und so kann für diese Zeit mal ein Platz frei werden. Doch die Warteliste für einen festen Platz im Kaenguruh Home ist lang und so ist schon seit Bau des Hauses klar, dass ein größeres Projekt bereits in Planung ist – die ‚Sonne‘. Adele zeigt uns die Skizze, die wir bereits durch Kristina kannten:

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Adios Südamerika, Hello Africa!

Wow, es ist unglaublich, dass wir nun seit zwei Tagen in Südafrika sind – mal eben 2,5 Monate Südamerika hinter uns gelassen und rein ins neue Abenteuer. Aber alles der Reihe nach, wir wollen ja, dass ihr mit kommt 🙂

Am Flughafen Buenos Aires durften wir noch ein letztes Mal südamerikanisches Temperament erleben, als an der Passportkontrolle gefühlt 150 Personen in der Schlange standen und laut ‚Vamos, Vamos‘ riefen und stinksauer waren, dass von 14 Kontrolleuren 5 gleichzeitig Pause machten und die Schlange dadurch immer länger und die Zeit zu den Flügen immer knapper wurden… Als dann nach und nach endlich wieder Personal aufgestockt wurde, applaudierte die Menge. Wirklich schönes Spektakel.

Der Flug war dann relativ unspektakulär – 9,5 Stunden mit South African Airlines, wirklich gutem Boardessen (es war sogar heiss und gewürzt!), netten Stewards, die selbst dann noch lächelten, als sie zum 10. Mal vergeblich versuchten dem chinesischen Ehepaar zu erklären, dass ihr Baby angeschnallt werden muss (sie verstanden weder englisch noch spanisch) und zum Glück keinerlei Turbulenzen.

Und dann kamen wir am O.R.Tambo International Flughafen in Johannesburg an und waren positiv überrascht – unglaublich sauber und moderner Flughafen (danke an die FussballWM), sehr schnelle Gepäckabwicklung und überall nettes Personal, was einem behilflich war ohne dass man fragen musste. Selbst am Passportschalter wurde ein Witzchen gerissen:
„How long do you want to stay?“ – „30 days, please“
„What? You wanna stay for 30 month?“ – „No! 30 days“
„three – zero“?- „Yes thirty days, or less because we gonna leave on the 29th“
„So I‘ll give you a Visa for 4 month and now you have to stay untill April 2014!“ 🙂
Und so haben wir nun einen Visa-Stempel bis zum 02.04.2014 🙂

Auch die Mietwagen Abwicklung lief einwandfrei und wir erhielten fast einen Neuwagen und dieser hat sogar ‘nen USB Anschluss wenn auch dafür bloss Minireifen. Und dann ging es auf der linken Spur Richtung Klipriver, einem kleinen Ort im nirgendwo, 50 Minuten südlich von Johannesburg.

Für uns war die 1. Fahrt etwas schweißtreibend, denn so ganz ohne ist das links fahren nicht, erst recht nicht, da wir eine ordentliche Zeitverschiebung hatten (für uns war es eigentlich nachts um 3 als wir ankamen, und tatsächlich war es 8 Uhr) und das Navi nicht so wollte wie wir. Wir kamen dann nach 1,5 Stunden an und Fabian resümierte dann ganz gelassen „Och eigentlich war‘s ganz easy, ein bisschen wie Autoscooter fahren“ …

Das Guesthouse machte seinem Namen als ‚Country Guesthouse‘ dann tatsächlich alle Ehre und war richtig idyllisch in eine Mini-Farm integriert und uns begrüßten erst einmal eine Horde voll Hunde, zwei davon so gross wie Ponys! Die Besitzerin Magda (sah aus und sprach wie eine ältere holländische Dame) begrüßte uns sehr nett und orderte uns ein paar Sandwich. Und daran mussten wir uns dann erst einmal gewöhnen – denn ganz Klischee, gehört das Guesthouse einer weißen Afrikanerin und ALLE Angestellten sind schwarze Afrikaner. Außerdem mussten wir uns auch abgewöhnen ‚Holà, que tal‘ zu trällern und stattdessen ‚Hi how are you‘ zu murmeln.

Am Abend machten wir dann noch Bekanntschaft mit der Maccaroni-Gang. Denn Magda ist Großmutter von drei rotzfrechen kleinen Jungs, die es sich zur Aufgabe gemacht haben das Guesthouse unsicher zu machen und uns an diesem Abend ständig mit „You want some Maccaroniiiiii?“ anschrien und dann lachend weg rannten während sie die Nudeln (eigentlich waren es Spaghetti) in ihrem Mund verschwinden ließen.

Und da sie raus bekamen in welchem Zimmer wir schliefen, weckten sie uns am nächsten Morgen mit frechen Tür klopfen, Sand vor die Tür schütten und Türklinke runter und hoch drücken…

Solche Rotzlöffel!

Buenos Aires Teil 2 – Kunst & Kultur

Nach erholsamen Tagen in Puerto Iguazu sind wir gut gelaunt und braun gebrannt am Donnerstag wieder in Buenos Aires angekommen. So haben wir uns entschlossen gleich am selben Abend in das hiesige Nachtleben einzutauchen und sind auf Empfehlung in die Transvestiten-Show „Club 69“ in den Niceto Club nach Palermo gefahren, wo wir bis in die frühen Morgenstunden tanzten und am nächsten Tag mit leichten Kopfschmerzen aufwachten…

Mit Brumkopf und mit Mengen an Wasser bewaffnet haben wir freitags eine Graffiti/Streetart-Tour durch Buenos Aires mit gemacht. Dabei war es besonders schön, dass man anhand der vielen Motive und Bilder viel über die (politische) Geschichte Argentiniens erfuhr. Abgerundet wurde die Tour durch einen Besuch im Atelier, in dem gerade der Künstler Ever (siehe die „Mao-Bilder“) arbeitete.

Am Tag darauf, dem letzten vollen Tag in Argentinien, schlenderten wir durch den japanischen und den Rosengarten. Überall waren die Leute auf Inlineskates oder Skateboards unterwegs und genossen -wie wir- das weiterhin schöne Wetter. Abends gab es dann noch ein saftiges Steak in dem In-Restaurant „La Cabrera“ – Dies war ein wirklich köstlicher Abschluss von Südamerika.

Und nun freuen wir uns mit Südafrika eine neue Kultur kennenlernen zu dürfen.

Iguazu Wasserfälle

Dank eines tollen Angebots der LAN Fluggesellschaft (und dank Fanny & Sarah die uns darauf aufmerksam machten), war Fliegen günstiger als Bus fahren und so stiegen wir am Dienstag ins Flugzeug nach Puerto Iguazu – was recht weit oben im Dreiländereck (Brasilien/Paraguay/Argentinien) liegt.

Leider musste das Flugzeug dann kurz vorm abheben vom Rollfeld wieder runter und wir tauschten das Flugzeug, womit sich der Abflug um 2 Std. verzögerte, was bei einer Flugzeit von 1,5 Std. eher blöd ist. Aber lieber einmal lange warten, als abstürzen!

Und so kamen wir dann erst abends im tropisch warmen kleinen Örtchen Puerto Iguazu an, wo uns saftig grüne Bäume, prächtige Blüten und eine tropische Hitze begrüßten.

Am nächsten Morgen schmierten wir uns ein paar Sandwich und machten uns auf zum argentinischen Nationalpark. Dieser liegt am Fluss des Iguaçu/Iguazú (was soviel heißt wie ‚großes Wasser‘) an der Grenze zwischen dem brasilianischen Bundesstaat Paraná und der argentinischen Provinz Misiones.
Der Nationalpark beinhaltet 20 größere sowie 255 kleinere Wasserfälle auf einer Ausdehnung von knapp drei Kilometern. Einige sind sogar bis zu 82 m hoch!

Neben den riesigen Wasserfällen waren wir abermals auch von den Tieren und Pflanzen beeindruckt. Wir sahen tausende bunte Schmetterlinge, schlangenartige Echsen, farbenprächtige Vögel und diebische Nasenbären.

Anhand der Bilder könnt ihr sehen, dass der Trip sich gelohnt hat und es eine schöne kleine Auszeit vom Stadtleben in Buenos Aires war!

…Und so entspannt wie wir waren, machte es uns dann auch nichts aus, dass wir auch beim Rückflug 2 Stunden Verzögerung hatten…

Buenos Aires Teil I

Am Freitag sind wir aus El Calafate nachmittags in Buenos Aires gelandet und haben uns erstmal in unserem Viertel orientiert und abends gekocht.

Da Buenos Aires -ähnlich wie Berlin- aus vielen völlig unterschiedlichen Stadtvierteln besteht, nahmen wir uns am Samstag das erste vor:

Recoleta
Das ist ein schickeres Viertel und hat beispielsweise ein europäisch anmutendes riesiges Einkaufszentrum, ein Hard Rock Café und die Gegend ist sehr sicher.

Zunächst schlenderten wir durch den Samstagsmarkt – erneut ein Markt mit selbstgemachten und touristischen SchnickSchnack, aber mit einer guten ‚künstlerischen‘ Atmosphäre. Das Publikum war bunt gemischt – Einheimische jeglichen Alters, viele Familien, Studenten, Touristen sowie Musiker und Strassenkünstler.
Wir saßen dann einige Zeit auf der Wiese mit einem leckeren FLEISCH-Sandwich und frisch gepressten O-Saft und ließen alles auf uns wirken.
Wirklich schön ‚harmonisch‘ dort – keine Hektik, nicht so laut und nicht so typisch ‚großstädtig‘.

Danach besichtigten wir den berühmten Friedhof. Und waren total überrascht. Denn auch wenn wir mehrfach hörten, das dies ein ‚must-have-seen‘ sei, hatten wir ja keine Ahnung, wie groß und außergewöhnlich dieser ‚Friedhof‘ ist.
Eigentlich ist ‚Friedhof‘ auch nicht das richtige Wort, denn hier handelt es sich um eine Art ‚Stadt der Mausolen‘.

Der Friedhof liegt in Mitten des Stadtviertels und ist somit umringt von Hochhäusern. Aber er besteht aus keinem einzigem ’normalem‘ Grab. Ausschließlich herrschaftliche Gruften, Mausolen und ganze ‚Tempel‘ stehen aneinandergereiht in mehreren ‚Straßen‘ auf diesem Platz. Und alles total ’steril‘. Also nur kalte Steinmauern, polierte Marmoreingänge oder Gitterstäbe. Aber keine Blumenbukets oder sonstiger SchnickSchnack.
Und kein Grab gleicht dem neben dran.

Da dort ausschließlich einflussreiche, wohlhabende Argentinier des 19. Jahrhunderts liegen (Präsidenten, Schauspieler…) scheint es wie eine Art Pflicht zu sein, auch über den Tod hinaus zu zeigen, wie reich der Tote bzw. die Familie ist/war.

Eine der bekanntesten Gräber ist das Familiengrab der Evita Perón.
Allerdings schließt der Friedhof um 17:45Uhr und bis dato hatten wir es nicht entdeckt, waren aber beeindruckt genug von all den anderen!!!

San Telmo
Am Sonntag Vormittag schlenderten wir dann über einen weiteren Markt – allerdings viiiiel größer als die bisherigen. Dieser war wieder ein ‚Schnick-Schnack‘ Markt, allerdings kombiniert mit Trödel- und Flohmarktsachen. Aber auch hier haben wir nichts gekauft, denn selbst auf diesen Märkten ist kein echtes Schnäppchen zu machen – die Preise für Klamotten sind in Deutschland günstiger für gleiche oder bessere Qualität!

Und dann hieß es „Oh-le-oh-le-oh-laaaaa“ [und für den weiteren Text fehlen uns die Spanischkenntnisse]
Denn nachmittags startete unsere aufregende Tour zum Boca Juniors Heimspiel.

Dazu muss man wissen, dass es eigentlich unmöglich ist, als ‚Gringo‘ (wie man uns Ausländer in Südamerika nennt) an Tickets für ein Boca Spiel zu kommen:
1. gibt es gar keine Einzeltickets, ausschließlich Mitgliederkarten oder Wartelisteplätze
2. gibt es diese nur für Argentinier
und 3. gibt es bei Spielen von Boca keine Plätze für die Gegner-alle Plätze sind ausschließlich Boca-Fanplätze

Aber Geld regiert die Welt und so saßen wir an diesem Tag zusammen mit 14 anderen in einem kleinem abgeschirmten Reisebus und fuhren in den eher gefährlichen (armen) Vorort ‚La Boca‘, aßen Pizza und tranken Bier und wurden dann ins Stadion geschleust.

Das war schon aufregend-im Bus erhielten wir alle Mitgliederkarten und so hieß ich ‚Augustine‘ und Fabian ‚Fernando‘. Uns wurde geraten kein Wort zu sprechen ab dem Moment wo wir den Bus verlassen bis wir im Stadion auf den Plätzen seien, damit niemand hört, dass wir Gringos sind, da aufgrund der limitierten Eintrittsmöglichkeiten, die Boca-Fans die die Spiele nicht sehen können -zu recht- sauer sind, wenn ‚reiche‘ Ausländer über den Schwarzmarkt an Tickets ran kommen…
Oh man und ich war echt angespannt, auch wenn Fußball und alles drumherum Spaß machen soll, so hatte ich auch im Hinterkopf, das um das Stadion herum schon sehr viel Schlimmes passiert ist.

Aber tatsächlich waren die Kontrollen easy und wir setzten uns in Stadion dann auch nicht auf die Plätze, sondern standen und das mit einem Blick gaaaanz oben, der über dem der eingefleischten Fans lag. So bekamen wir die Stimmung mit, waren aber weit genug entfernt um ’sicher‘ zu sein.

Das Spiel an sich war dann eher enttäuschend – Boca (3.Platz) spielte miserabel und fast ein wenig ‚lustlos‘ und verlor 0:2 gegen den Tabellen 17. (All Boys).

Doch das war völlig nebensächlich, denn die Atmosphäre war wirklich einzigartig – 90minütige Dauerbeschallung durch die Fans. Wirklich ohne Atempause wurde gesungen, gegrölt und angefeuert. Selbst als längst klar war, dass Boca verlor, wurde noch weit über die 90. Minute hinaus gesungen und regelrecht gefeiert!
Wenn in Deutschland schon das halbe Stadion leer ist, weil die meisten nur für den ‚Sieg‘ ins Stadion sind, da stehen die Boca Fans noch und singen!
Das Sahnehäupchen war dann als in der Halbzeit die Tennisprofis Nadal und S ein paar werbewirksame Schüsse aufs Tor absolvierten.

Fazit: Wahnsinnig gute Stimmung in einem wirklich armen Viertel aber an diesem Tag leider schlechter Fußball.

Die Franzosen und La Bomba
Den Montag Vormittag verbrachten wir erstmal mit einigen vielen organisatorischen Dingen (Packen, Zimmersuche in Kapstadt etc)
und fuhren dann in den Trend-Stadtteil Palermo wo wir mit Margaux und Caro (die französischen Studenten, die wir auf der Salzwüstentour kennen gelernt hatten) in ein süßes französisches Café gingen.

Wir hatten uns verabredet um abends zusammen zu einer bekannten ‚Percussion Show‘ von La Bomba zu gehen. Dort trafen wir dann auch die anderen Franzosen und konnten das erste Mal ein wenig die Ausgeh-Szene von Buenos Aures beäugen.
Und tatsächlich war das Publikum eine Mischung aus Schlachthof Wiesbaden und Cassiopeia Berlin. Also viele Hipster, Alternative und ein paar Freaks&Kiffer und dazwischen Touris und Einheimische. Auch wenn wir uns lediglich in die ‚Touri‘ Gruppierung einreihen, war es ein super Abend mit guter Trommelmusik und netten Gesprächen mit den Franzosen!

Am Dienstag geht es dann erstmal für zwei Nächte nach Iguazu, wo wir uns die Wasserfälle Ansehen Undank kommen wir für weitere vier Tage zurück nach Buenos Aires.

Es bleibt spannend 🙂

El Calafate und der Perito Moreno Gletscher

Nachdem wir nach 18 stündiger Fahrt in Rio Gallegos ankamen erwartete uns ekliges Wetter (gefühlt Windstärke 10), ein hässliches Städtchen und ein unfreundliches Hostel mit dreckigem Zimmer.
Mehr gibt es zu Rio Gallgos nicht zu sagen.

Zum Glück ging es am nächsten Tag morgens mit einer kurzen 4h-Busfahrt nach El Calafate. Wo uns bei mittelmäßigem Wetter, ein toller Blick über grüne Landschaft auf Berge mit Schneespitze und ein türkisfarbener See empfing. Unser Hostel war sauber, der Empfang nett und wir buchten für den nächsten Tag eine Tour zum Perito Moreno Gletscher. (Allerdings die zweitgünstigste Tagestour, um unser strapaziertes Budget etwas zu schonen, also eine Tour ohne auf dem Gletscher rum zu wandern.)

Und wir hatten wahnsinniges Glück!
Gestern begrüßte uns strahlender Sonnenschein und das, obwohl es die letzten drei Tage nur geregnet hatte. Zunächst fuhren wir zu einer Estancia und sahen die weiten des Landes -grüne Wiesen umrahmt von den schneebedeckten Bergen.

Danach bestiegen wir ein Touri-Schiff mit dem wir ganz nah an den Gletscher ran fuhren und eine Stunde den Blick von unten auf diesen 50m hohen Koloss hatten.

Das Ausmaß so einer Gletscherzunge ist wirklich unbegreifbar. Riesige Eisspitzen die nach oben ragen. Wir sahen auch ein paar Brocken abfallen.
Danach fuhren wir zu den weitläufigen Plattformen auf denen wir 2,5 Stunden Zeit zum rumlaufen und Gletscher bestaunen hatten.

Wir setzten uns zum Lunch dann erstmal an den See mit Blick auf die Berge und den Gletscher und genossen die Aussicht und die Geräusche des Gletschers. Es hört sich an wie ein gewaltiger Donner und es schalt durch die umliegenden Berge. Oftmals hört man nur das gewaltige Donnern und stellt sich vor, dass irgendwo im Inneren nun wieder ein weiterer Spalt entstanden ist. Oder man hat Glück und kann sogar einen riesigen Brocken abfallen und ins Wasser klatschen sehen.

Vielleicht klingt das langweilig, aber wir waren unglaublich fasziniert von diesem Naturschauspiel in dieser traumhaften Kulisse, dass wir ewig einfach nur davor hätten sitzen bleiben können. Und wir waren sehr froh, dass das Wetter so toll war – Positive Attitude 🙂

Abends saßen wir dann noch stundenlang mit drei anderen Reisenden zusammen und tauschten Tipps und Erlebtes aus. Und merkten mal wieder, wieviel Aufregendes noch auf uns wartet 🙂

Heute relaxen wir und morgen geht es nach Buenos Aires.

Fühlt Euch umarmt, liebe Grüsse

Julia & Fabian