Salkantay Trek | Tag 2

So mittlerweile sind wir in Bolivien und ich lag während der Korrektur des ‚Salkantey Trek | Tag 1‘ gemütlich in einer Hängematte mit Blick auf den Titicacasee – so hab ich mir das vorgestellt 🙂

Also stehen geblieben bin ich beim Ende von Tag 1 – Völlig erschöpft und ehrlich gesagt hatte ich wirklich Angst vor dem 2. Tag, weil ich nicht aufgeben wollte, aber noch vier weitere Tage vor mir lagen und ich den Ersten schon hart fand…

TAG 2
Die Nacht war nicht so eiskalt wie befürchtet, was wohl auch an unserem Zwiebellook lag.
Morgens um 05:30 Uhr klopfte es an jede Zelttür und wir wurden mit heißem Coca-Tee geweckt. Super gut!

Ziemlich zerknautscht fingen wir an unsere Sachen zu packen und uns umzuziehen. Während draußen schon das spärliche Frühstück aufgebaut wurde, dachte ich darüber nach was mir NICHT weh tat und wie ich den Tag überstehen sollte.
Man! Es war doch grade mal 1/5 rum…

Fabian schaute mich an und sagte: „Ist doch echt kein Problem, nimm das Pferd!“ – „Ja aber es ist doch voll blöd wenn Du dann 3 Stunden alleine kämpfst und ich gemütlich mit einem Pferd an Dir vorbei reite…“
Doch er bestand darauf, dass er seinen Körper austesten wollte und ich das Pferd nehmen kann. Ein Glück!
Wir sagten dem Guide Bescheid und zum Glück war ich nicht die Einzige – meine Brasilianischen ‚Freunde‘ hatten sich auch für das Pferd entschieden 🙂

Wir waren fast fertig mit Packen und die anderen hatten bereits angefangen zu frühstücken als das Unglück geschah – wir vermissten unser Portemonnaie!
Kurzfassung: Nach langer Suche, Tränen, Wut, Verzweiflung und Ungläubigkeit mussten wir uns damit abfinden, dass wir es verloren hatten, irgendwo zwischen dem Lunch gestern Mittag und Gestern Abend beim Sternenhimmel Fotografieren musste es aus Fabians Jacke gefallen sein und ein sehr glücklicher Finder hatte nun den Tag seines Lebens… Denn wir hatten natürlich Soles für 5 Tage sowie 50USD für die Schlafsäcke dabei. Zum Glück hatten wir das Geld um den Trek zu bezahlen im Hostel gelassen…

Wir hatten nun nicht mal Geld um uns Wasser zu kaufen… und das Pferd zu bezahlen… SCHEIßE!
Ich war fix und fertig – sauer dass ich schon nach dem ersten Tag körperlich k.o. war, sauer das das Geld weg war (und das schöne Portemonnaie und unser Glücksmarienkäfer!) und verzweifelt, dass ich jetzt ohne Wasser doch laufen musste…

Zum Glück nahm sich Elizabeth uns an und lieh uns 120 Soles. Und auch Rene bot uns an, Geld zu leihen.
Wirklich sehr sehr nett, denn sie kannten uns ja gar nicht!!!

Vor lauter Portemonnaie-Suche hatten wir das Frühstück verpasst und Edwin rief schon alle zusammen um den Anstieg zu starten. Vorher sollte sich aber bitte jeder einen Stein suchen, da wir später damit eine Zeremonie abhalten würden.
Die Reiter sollten einfach hier warten und das Pferd am Kiosk zahlen. Okay, also zahlte ich 100 Soles bei der Frau die eigentlich Süßigkeiten verkaufte… Und Fabian lief mit dem Rest der Gruppe um 07:00 Uhr los.

Die Pferde samt Pferdeführer (ein circa 14 Jähriger Junge) kamen nach einiger Zeit im Camp an und wir trappten zu Dritt los, während er neben dran lief und immer wieder ‚Mullahhh‘ rief, wenn die Pferde nicht laufen wollten.
Die erste Stunde war wirklich nur stupides gerade aus schleichen und man konnte das erste Mal die Natur genießen, da man nicht damit beschäftigt war auf die vielen Hindernisse auf dem Weg zu achten. Ihr müsst Euch die Wege hier bitte weniger romantisch als die Wanderwege in den Alpen vorstellen. Hier sind die Wege nicht freigeräumt oder gar gesichert… Hauptsächlich bestehen sie aus vielen kleinen und großen Hindernissen wie Steinen, Felsvorsprüngen, Bächen oder Kuhfladen… Aber auf dem Rücken der Pferde bekamen wir das in der 1. Stunde kaum mit.
Danach wurde es aber steiler und ich muss wirklich sagen, dass ich es kaum mit meinem Herzen vereinbaren konnte, dass das Pferd mich da hoch brachte. Klar es war machbar und die Pferde tragen weit aus schwereres Material die Berge hoch, aber wohl war mir damit nicht.

Und ich musste dauernd daran denken, dass Fabian irgendwo vor mir lief und diesen Weg hoch gewandert war, zumindest hatte ich ihn bisher nirgends sitzen sehen und ging davon aus, dass alles okay war. Nach einer weiteren Stunde trabten wir mit den Pferden an unserer Gruppe vorbei, die gerade Pause machte und wir konnten uns bloß einen kurzen Blick zu werfen. Fabian sah schon etwas k.o. aus… Und es tat mir sehr leid, dass ich ihm vor lauter Portemonnaie-Wut nicht noch ‚Viel Erfolg!‘ gewünscht hatte…

Etwas weniger als eine Stunde dauerte dann der letzte, steilste Teil des Aufstiegs. – Die Luft war super dünn und der Weg im Zickzack voller Geröll und steil. Oben auf 4.640 m angekommen begrüßte der Berg uns mit eisig kaltem Wind, Schneeregen und Kälte…
Einige der anderen Gruppe saßen schon völlig erschöpft beisammen, andere zogen sich gerade die Regencaps über und wieder andere verabschiedeten sich von den Pferden, denn auch sie hatten die Alternative gewählt. Wir Drei taten Selbiges und warteten dann im Schneeregen auf unsere Gruppe, die nach und nach fix und fertig eintraf. Ich war sehr froh Fabian zu sehen. – Er war allerdings sprach- und atemlos und vollkommen k.o. Ich habe ihn wirklich selten am Limit gesehen, ich glaube das letzte Mal, als er sich beim Basketball den Fuß verstauchte…

Zum Verschnaufen machten wir zunächst alle zusammen ein Gruppenbild und jeder knipste sich am Bergschild ein Erinnerungsfoto. (Wobei ich mir diese Ehre verwehrte, schließlich hatte mich ja ein Pferd hoch gebracht und ich habe großen Respekt vor allen, die diese harten 6km zu Fuß hinter sich gebracht haben!!!)

Außerdem war es nun an der Zeit das ‚Steinritual‘ zu vollziehen! Da der Salkantay Berg als ‚Heiliger Berg‘ verehrt wird, ist es die Pflicht eines Wanderers einen Stein aus dem Tal auf den Berg zu bringen und diesen auf 3 mitgebrachte Coca-Blätter zu legen. Dann darf man sich etwas -nicht Materielles- wünschen.

Danach hieß es dann auch schon „Vamos Chicos!“, wobei wir uns relativ unsicher waren WO LANG? – Denn es hatte sich so sehr zugezogen, dass man vor lauter Schneeregen und Nebel kaum etwas sah… Bis zum Lunchlager waren es dann nochmals etwa zwei Stunden, die sich aber durch den Schneeregen im Gesicht und dem Nebel zogen wie Kaugummi.
Das Mittagessen war dann relativ wortkarg, alle waren k.o. und das Essen bestand erneut aus Reis, Kartoffeln und zähem Fleisch und am liebsten hätten alle nur Suppe gegessen – so kalt war es. Außerdem war dieses Lunchlager so provisorisch, dass es auf der einen Seite rein regnete, was das Essen erschwerte…

Ab jetzt sollte es die restlichen Tage nur noch bergab bzw. easy gerade aus gehen, da wir am höchsten Punkt angekommen waren und nun nur noch Höhenmeter verlieren mussten. Und so hieß es nach dem Mittagessen, dass es nun nur 3 Stunden bergab ginge und wir einfach schon mal dem breiten Pfad folgen sollten, da könnte man nichts falsch machen… Da ich ja noch relativ fresh war ich motiviert. – Also los geht’s, bergab ist ja super!

Haha, weit gefehlt.

Wir stapften also los und umso weiter es ging umso eher wurde aus Schneeregen normaler Regen und aus einem Feldpfad ein Matschfeld. Es gab teilweise auf dem Weg keine andere Möglichkeit NICHT Knöcheltief im Matsch zu versinken. Ungelogen, es war ALLES nass und matschig. Da es dann ja zusätzlich nur bergab ging, war der Wanderstock unser bester Freund. Teilweise waren es richtige Bäche die wir im Regen überqueren mussten und alle Steine waren rutschig und es war kein Zucker schlecken. Ihr könnt Euch das so vorstellen, wie mit Chucks (Anm: Stoffschuhen) durch eine aufgeweichte Kuhweide zu laufen, die aber scharf bergab verläuft… Mal ganz abgesehen davon, dass wir den Weg ohne Guide gingen…
Die super Sportler – Kathi, Rob und Jeremy rannten den kompletten Weg bis zum Camp und wir waren stark verwundert, als wir Ihnen ein zweites Mal begegneten – denn sie hatten sich verlaufen. So viel zum Thema ‚keine Sorge es gibt nur einen Weg‘.

Es mag klingen als seien wir nur am Meckern, aber leider waren die ersten zwei Tage tatsächlich grauenhaft. Die Natur war super schön und wir haben uns auch wirklich an der Kulisse um uns herum erfreut, aber bis wir dann tatsächlich nach nun 21km (Fabian) bzw. 15km (Julia) im Lager ankamen waren wir so dreckig und matschig, dass wir eigentlich nur eine heiße Dusche wollten. Gab es aber ja nicht… Außerdem war es nun fast 17 Uhr und somit wurden alle unsere nassen Klamotten nicht mehr durch die Sonne trocken und vor allem die Wanderschuhe waren durchgeweicht…

Was uns aber dann wieder motivierte war der warme Cocatee und das wirklich schöne Lager. – Es sah aus wie ein Bauernhof umgeben von grünen Bergen. Hühner, Schweine und Pferde liefen frei herum. Ein Hundewelpen war auch wieder am Start. Und mittendrin wurden unsere Zelte aufgebaut. Pünktlich zum Ende des letzten Zeltaufbaus hörte dann auch der Regen auf.

Bis zum Abendessen saßen wir alle beieinander und auch wenn allen die Beine vom bergab laufen weh taten (das ständige Abstoppen ging enorm auf die Kniegelenke) war die Stimmung deutlich besser, denn alle wussten, dass das Allerschlimmste hinter uns lag. Und so spielten wir dann zusammen mit Jeremy, Rob, Kathi und Rene ein –für uns Neues- Kartenspiel dessen Name ich vergessen habe, welches aber ähnlich einfach ist und ähnlich heißt wie das Kartenspiel ‚A***loch‘.

Während dem Abendessen -was dieses Mal auch besser war und aus Spagetti und einer undefinierbaren Tomatensauce sowie Gemüse bestand- lernte man sich dann auch etwas besser kennen und hörte wer woher kam etc.
Trotzdem gingen wir alle wieder direkt ins Bett, denn auch am 3. Tag hieß es „Früh aufstehen!“.

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